Helsa. Die A 44-Tunnelarbeiten in dem durch Giftstoffe der früheren Munitionsfabrik Hirschhagen belasteten Boden sorgen in Helsa für Verunsicherung.

Die Helsaer Gemeindevertreter forderten in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig, Hessen Mobil müsse die Laborergebnisse des kontrollierten Grundwassers veröffentlichen. In einer öffentlichen Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde müsse die Straßenbehörde Rede und Antwort stehen.

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Timon Gremmels (Niestetal) ist durch einen Zeitungsbericht der HNA alarmiert, in dem Hessen Mobil über eine sehr starke Grundwasserbelastung berichtete, wenn auch bei geringen Mengen.

Gremmels hat eine Anfrage an die Landesregierung gestellt, die innerhalb von sechs Wochen beantwortet werden muss. Darin fordert er Aufklärung darüber, welche Giftstoffe im Wasser gefunden wurden und in welcher Menge; ob Grenzwerte überschritten wurden und wie das Land das Risiko einer weiteren Grundwasserverunreinigung durch die Tunnelarbeiten einschätzt.

Die Straßenbehörde Hessen Mobil teilte der HNA auf Anfrage mit, dass man bei den Tunnelarbeiten in Teilabschnitten Nitrotoluole angetroffen habe. Diese Rückstände aus der Sprengstoffproduktion habe man auch erwartet. Schon im Planfeststellungsbeschluss sei festgelegt worden, wie damit umzugehen sei, dies werde nun umgesetzt, so Hessen-Mobil-Sprecher Horst Sinemus zur HNA.

Mehrstufige Reinigung

Das aus dem Tunnel anfallende belastete Wasser werde einer mehrstufigen Reinigung unterzogen. Nach Sedimentation (Absetzen von Schwebstoffen) und Neutralisation (Erreichen eines ausgeglichenen ph-Werts) werde es mit Hilfe von Aktivkohlefiltern chemisch-physikalisch gereinigt. Das belastete Grundwasser werde so auf die festgelegten Grenzwerte gebracht und anschließend in die Losse eingeleitet. „In der Regel war der Restgehalt an Nitroaromaten unter der Nachweisgrenze, das heißt nicht mehr feststellbar“, so Sinemus. „Der Einleitgrenzwert wurde jederzeit eingehalten.“
Um eine weitere Auswaschung der hier seit den Kriegsjahren im Boden gebundenen Giftstoffe zu verhindern, habe man zum Beispiel die Drainagewirkung des Tunnels durch Einbau von Quermauern in der Tiefe unterbunden. An Stellen mit hoher Verunreinigung sei das Grundwasser bis unter das belastete Erdreich abgesenkt und gereinigt worden.

Nach Fertigstellung der Innenschale des Tunnels werde man den Grundwasserspiegel auf den ursprünglichen Stand anheben, „dann wird sich auch wieder die ursprüngliche Situation einstellen“, so der Behördensprecher.

Im übrigen könne man nach vorheriger Terminabsprache die Untersuchungsergebnisse bei Hessen Mobil einsehen.

Stichwort

Nitrotoluole sind chemische Verbindungen, die als Zwischenprodukte bei der Sprengstoffherstellung (TNT) auftreten. Sie werden häufig als Rüstungsaltlast im Boden und Grundwasser nachgewiesen. Nitrotoluole sind giftig, krebserregend und umweltgefährdend. Sie können explosive Dämpfe bilden und greifen Gummi und Kunststoffe an. (hog)

Helsaer Parlament fordert lückenlose Aufklärung

Eine lückenlose Aufklärung über die Verschmutzung des Grundwassers haben die Helsaer Gemeindevertreter in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig gefordert.

Dabei forderte die SPD, der Projektleiter von Hessen-Mobil und ein Vertreter der Wasserbehörde beim Regierungspräsidium Kassel sollten in einer öffentlichen Sitzung des Bau- und Planungsausschusses der Gemeinde Rede und Antwort stehen.

Man verlange wegen der Gefahren für das Helsaer Trinkwasser größtmögliche Transparenz. „Dabei ist es vollkommen irrelevant, ob es sich um eine geringe Menge oder eine große Menge, um eine starke oder eine minderstarke Belastung handelt“, sagte SPD-Fraktionschef Dirk Schröder.
Die Grüne Liste Helsa (GLH) forderte, der Gemeindevertretung die Laboranalysen von Wasser und Abraum der Tunnelbaustelle für eine eigene Auswertung zugänglich zu machen. Auch diesem Antrag stimmte das Gremium zu.

„Ich kann wohl verstehen, wenn die Autobahnbauer das als lästig empfinden, aber die müssen ja auch nicht hier leben“, sagte GLH-Sprecher Rainer Dallmann. „Wir wollen nicht nur die Möglichkeit zur Einsicht, sondern alle Ergebnisse schwarz auf weiß zur freien Verfügung“ erklärte Dallmann weiter.

Die CDU stimmte den Anträgen zu, warnte aber vor Konfrontation. „Mir fehlt die Fantasie zu glauben, dass Hessen-Mobil wissentlich Abwasser ins Trinkwasser leitet“, sagte Fraktionsmitglied Frank Williges.

HNA Online

Verseuchtes Grundwasser an A44-Baustelle bei Helsa sorgt für Verunsicherung
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