St.-Ottilien-Schleife eröffnet – Weg macht Erbe der französischen Einwanderer in Nordhessen erfahrbar

HELSA. Wenn sich die Räder der Windkraftanlage Kreuzstein im Kaufunger Wald heftig drehen, deutet das auf stürmischen Wind hin. Kommen dann noch Nieselregen und niedrige Temperaturen hinzu, lädt das nicht gerade zum Wandern ein. Das alles konnte die zehnköpfige Wandergruppe in St.Ottilien nicht davon abhalten, am vergangenen Sonntagvormittag mit einer zweistündigen Wanderung die „St. Ottilien-Schleife“ offiziell zu eröffnen.

Der circa sieben Kilometer lange Weg ist Teil des Hugenotten-Waldenserpfad, einer 2000 Kilometer langen Wanderroute, die von Bad Karlshafen durch Frankreich bis nach Italien führt und an die bewegte Geschichte der Hugenotten erinnern soll.

„Wir freuen uns sehr, dass trotz des schlechten Wetters einige Unentwegte die Möglichkeit genutzt haben, den Weg einzuweihen“, freute sich Dirk Schröder (40), Vorsitzender der örtlichen Verbände und Vereine in St. Ottilien.

Nach der Wanderung stärkte man sich bei einem rustikalen Buffet im Gasthof „Alte Scheune“, bevor am Nachmittag viele Besucher am offiziellen Teil teilnahmen.

Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) begrüßte die Initiative des Kirchenvereines vor einigen Jahren, Überlegungen anzustreben, St. Ottilien als ehemalige Hugenottensiedlung bekannter zu machen. „Tourismus lebt aus dem Ort heraus“, führte er aus und betonte, dass die Gemeinde Helsa für Touristen gut gerüstet sei.

Auch Landrat Uwe Schmidt (SPD) betonte, wie wichtig es ist, die Geschichte der Hugenotten nicht zu vergessen. „Immerhin haben sie aus Frankreich viele Märchen mitgebracht, die dann die Brüder Grimm aufgeschrieben haben“, sagte er und spannte so den Bogen zu dem Märchenlandweg, über den teilweise auch die St. Ottilien-Schleife führt.

Die Koordinatorin des „Hugenotten- und Waldenserpfad“, Dr. Renate Buchenauer, erzählte von der Geschichte der Hugenotten. Sie wies darauf hin, dass Landgraf Karl 1699 den Hugenotten im St.Ottilien Land zur Verfügung gestellt hat, um sich dort dauerhaft niederzulassen. 14 Familien gründeten dort eine Siedlung.

Ein Flyer, der die Geschichte und Wegstrecken beinhaltet, sei kurz vor der Fertigstellung und werde dann an die Gemeinde Helsa weitergegeben.

Gruppenfoto vor dem historischen Hugenottenhaus: Stellvertretende Vorsitzende der Gemeindevertretung Tina Schröder (von links), Bürgermeister Tilo Küthe, Kirchenvorstandsmitglied Petra Wolfrom, Schriftführer des „Hugenotten- Waldenserpfad “ Jürgen Lips, Vorsitzender der örtlichen Vereine und Verbände Dirk Schröder, Geschäftsführer „Deutsche Märchenstraße“ Benjamin Schäfer, Pfarrerin Andrea Holler und Landrat Uwe Schmidt. Foto: L. Herzog

Hintergrund

26 Kulturrouten in Deutschland

Der „Hugenotten- und Waldenserpfad“, zu der jetzt auch die „St. Ottilien-Schleife“ gehört, ist einer von 26 Kulturrouten in Deutschland, die der Europarat in einem Kulturrouten-Programm zusammengefasst hat. 33 Kulturrouten gibt es in Europa. Der deutsche Teil ist in fünf Segmente aufgeteilt. Die drittlängste Strecke mit 179 Kilometern startet in Bad Karlshafen und endet in Ernsthausen (Landkreis Limburg-Weilburg).

Die „Schleife“ bedeutet, dass die Strecke auf dem Märchenlandweg von Immenhausen kommend, in St. Ottilien wieder zurück nach Kassel führt, von dort an der „Schauenburger Märchenwache“ vorbei in Richtung Naumburg, wo er dann wieder auf den Hauptweg des Hugenotten- und Waldenserpfades trifft.

HNA

Auf der Spur der Hugenotten

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