Helsa. „Das ist kein Schandfleck, es ist nur unschön“, beschreibt Bürgermeister Tilo Küthe das Haus an der Leipziger Straße 34 in Helsa. 

Zwischen den Fachwerkhäusern steht ein großer roter Rohbau, der vom Stil mit den Gebäuden auf der Straße harmoniert. Erst beim näheren Betrachten fallen einige Details auf. Das Haus ist offensichtlich nicht fertig. Das gesamte Gebäude ist nicht verputzt, an der Fassade steht ein Gerüst und im Erdgeschoss fehlen eine Tür und Fenster. Obwohl es noch nicht fertig ist, zeigen sich auf den Dachziegeln Ablagerungen, als stünde das Haus schon lange Zeit da.

So ist es auch, wie Küthe bestätigt: „Die Baugenehmigung wurde 1996 ausgestellt.“ Das Gebäude ist nach 22 Jahren Bauzeit immer noch nicht fertig. Die Arbeiten am Haus begannen relativ zügig. „Man hat schnell drauf geachtet, dass das Dach drauf ist“, berichtet der Bürgermeister. Aber danach ging es nur sehr langsam weiter. Mit dem Dach ist das Gebäude zwar vor Regen geschützt. Dennoch sorgt sich Tilo Küthe um den Zustand. „Ein Bauwerk besteht aus mehreren Schichten“, erklärt Küthe und verweist auf die Hohlblocksteine auf Tonbasis, die vor Feuchtigkeit geschützt werden müssen. „Irgendwann hält der Stein das nicht mehr aus.“

Dass das Gebäude schon so lange unfertig ist, kann Küthe nicht verstehen. „Wirtschaftlich ist das mehr als fragwürdig.“ Die Gemeinde geht davon aus, dass das Gebäude ursprünglich zur Vermietung vorgesehen war, hat dazu aber keine Angaben vom Eigentümer. „Eine große Anzahl von Wohnungen ist klar erkennbar“, berichtet er. Zur Straße hin sollte vermutlich ein kleiner Laden entstehen.

Wunderschönes Haus

„Es liegt mir auf der Seele“, erklärt Tilo Küthe. Seit 16 Jahren ist er Bürgermeister in Helsa und mit dem Haus zugange. „Ich hätte es schon zweimal verkaufen können. Aber es kam gar nicht bis zur Preisfrage.“ Als Vertreter der Gemeinde hofft er auf die Fertigstellung des Gebäudes. „Das wird ein wunderschönes Haus sein mit tollen Wohnungen, mitten in Helsa“, erklärt er und ist sich sicher, dass dafür leicht Mieter zu finden wären.

Die Gemeinde suchte bereits nach Wegen, die Vollendung des Hauses zu erzwingen. Gemeinsam mit dem Landkreis Kassel überlegte sie, Druck auf den Eigentümer auszuüben, um es fertig zu stellen. Nach einer rechtlichen Prüfung durch den Städte- und Gemeindebund stellte sich jedoch heraus, dass dieser Weg nicht funktioniert. Rechtlich gibt es nur die Vorgabe, dass nach der Genehmigung innerhalb von drei Jahren mit dem Bau begonnen werden muss.

„Aber es gibt keinerlei Einschränkungen, wie lange man baut“, erklärt der Bürgermeister das Problem. „Rechtlich sind die Eigentümer nicht angreifbar.“ Das Gelände um das Gebäude ist nicht nur aufgeräumt und sauber, sondern die Zugänge zur Baustelle auch abgesperrt und gesichert. „Das Gerüst ist gesichert, das stößt kein Sturm um“, sagt er. Der Eigentümer muss sich an geltendes Recht halten, was er tut. Fachlich sei das Haus problemfrei und sicher. Das Problem bestehe nur darin, dass es nicht fertig wird. „Wir haben keinen Ansatz, dass wir etwas tun können“, stellt der Bürgermeister fest.

HNA Online

Haus in Helsa seit 22 Jahren im Rohbau: Dort sollten Mietwohnungen entstehen
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