Kreis Kassel. Der Landkreis Kassel wird noch mehr Fördergeld vom Bund für den Breitbandausbau erhalten.

Profitieren werden davon aber ausschließlich jene 23 Ortsteile in den 11 Kommunen Ahnatal, Bad Emstal, Baunatal, Fuldabrück, Helsa, Naumburg, Niestetal, Schauenburg, Vellmar, Wolfhagen und Zierenberg, die bereits in Sachen Internetausbau mit dem Landkreis Kassel zusammenarbeiten. Dabei handelt es sich um Ortslagen, die vom aktuellen Breitbandausbau der Breitband Nordhessen nicht berücksichtigt werden können, weil sie schon einmal vom Land gefördert wurden (Breitbandoffensive Hessen 2009 bis 2012, meist ACO als Betreiber).

„Statt der bisher bewilligten 8,75 Mio. Euro für den Ausbau mit Glasfaserkabeln bis hin zu den Verteilerkästen wird nun ein Glasfaserausbau bis hin zu den einzelnen Wohnhäusern gefördert“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Damit werde eine deutliche Erhöhung der übertragbaren Datenraten pro Zeiteinheit möglich sein.

Bis zu 1000 MBit/s

Zum Vergleich: Beim bisherigen Ausbauziel „Glasfaser bis zum Verteilerkasten“ der Breitband Nordhessen (FTTC, engl. Fibre to the Curb, dt. Glasfaser bis zum Bordstein) sind ohne Hilfstechnik (VDSL-Vectoring) Datenraten von maximal 50 MBit pro Sekunde möglich. Beim Ausbauziel „Glasfaser bis zum Haus“ (FTTB, engl. Fibre to the Building, dt. Glasfaser bis zum Gebäude) sind dagegen im Idealfall bis zu 1000 MBit pro Sekunde möglich.

Das Glasfaserkabel wird hierbei bis ins Gebäude verlegt – zum Beispiel über schon vorhandene Gas- oder Wasseranschlüsse in den Keller. Drinnen geht es dann entweder konservativ mit Kupferkabel weiter, oder der Internetnutzer investiert noch in eine Glasfaserleitung im Haus mit entsprechender Netzübergabetechnik und einem passenden Router. Das wäre dann der Idealfall, der Übertragungsraten von bis zu 1000 MBit pro Sekunde ermöglicht.

„Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat uns mitgeteilt, diese Aufwertung gefördert zu bekommen“, sagt Kühlborn. „Das birgt eine erhebliche Verbesserung, und wir wollen dieses Angebot in jedem Fall wahrnehmen“. Für diesen „Upgrade-Antrag“, so Kühlborn, müssten allerdings jetzt noch die Kosten für den FTTB-Ausbau berechnet und eventuelle Auswirkungen auf die bisherigen Planungen geprüft werden. „Das verzögert den Prozess natürlich etwas“, sagt Kühlborn weiter. „Der Vorteil der FTTB-Anbindung an die Gebäude überwiegt jedoch eindeutig“. Ursprünglich hätte der FTTC-Glasfaserausbau des Landkreises Ende 2019 fertig sein können.

Tatsächlich ist diese Nachricht vom Bund auch für den Landkreis noch ganz jung. So liege die neue Förderrichtlinie aktuell noch nicht einmal vor. „Erst wenn die da ist, können wir mit den weiteren Vorbereitungen für den neuen Antrag starten“. Der Bund sei an einem schnellen Projektverlauf interessiert, so sei davon auszugehen, dass nicht lange auf die neuen Richtlinien gewartet werden müsse. Kühlborn: „Nach jetzigen Kenntnisstand könnte bereits im Frühjahr 2019 förder- und vorbereitungstechnisch alles über die Bühne gegangen sein, sodass wir dann mit den Planungen starten können.“

Hintergrund: Bundesförderung für “weiße Flecken”

Aktuell baut die vom Land geförderte Breitband Nordhessen unter anderem weite Teile des Landkreises Kassel mit Glasfaser bis zu den Verteilerkästen aus (FTTC-Technik). Aus wettbewerbstechnischen Gründen kommt sie aber nicht überall hin – es bleiben „weiße Flecken“ der Internetversorgung übrig. Diese „weißen Flecken“ sollen nun via Bundesförderung geschlossen werden. 23 Ortsteile in elf Kommunen sowie um 56 Schulstandorte und vier Gewerbegebiete im Landkreis Kassel profitieren davon.
Dieser Ausbau wird vom Landkreis Kassel organisiert. Die Bewilligung dieser Bundesmittel war bereits im März 2017 eingegangen. Allerdings fehlten noch die ergänzenden Fördermittel seitens des Landes. Am 15. März hatte die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WI-Bank) dem vom Landkreis beantragten Vorhaben zugestimmt. „Die endgültige Bewilligung haben wir leider noch nicht erhalten“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn.

Der Glasfaserausbau soll zu 50 Prozent vom Bund, zu 36 Prozent vom Land und zu 14 Prozent von den Kommunen selbst finanziert werden. Seit April abgeschlossen ist allerdings schon die Suche nach qualifizierten Fachbüros für die technische wie auch juristische Ausarbeitung dieses Vorhabens. „Die Bewerber werden jetzt zur konkreten Angebotsabgabe aufgefordert“, sagt Kühlborn. „Wenn die Angebote eingegangen sind, werden wir entscheiden, wer die Aufträge für die technische und juristische Beratung erhält. Alles in allem wird sich durch das „Upgrade“ das ganze vom Land organisierte Ausbauvorhaben um voraussichtlich ein Jahr verzögern. Bis alles geplant, genehmigt, gebaut und angeschlossen ist, wird möglicherweise das Jahr 2020 schon vorbei sein.

HNA Online

Landkreis Kassel bekommt mehr Geld für Breitband: Schnelles Netz jetzt bis ins Haus
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