725 Wickenrode – Herzlichen Glückwunsch! Wirklich ein Grund zum Feiern. Ich freue mich jetzt schon auf die Festwoche im August.

Helsa. Heute können Korken knallen: Helsa-Wickenrode wird 725 Jahre alt. Ein Blick auf die Geschichte des Örtchens, das am 12. Juli 1293 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Auf halber Strecke von Helsa nach Großalmerode fällt der Blick von einer Anhöhe aus auf die ersten Häuser von Wickenrode. Nach 20 Sekunden Fahrt verlässt man den Ort wieder – viele Eindrücke können so nicht bleiben. Keine Geschäfte, keine Schaufenster, aber ein blumenreicher Willkommensgruß am Ortseingang, denn die 1650 Einwohner feiern in diesem Jahr mit vielen Aktivitäten ihre 725-Jahr-Feier und können somit auf eine lange und abwechslungsreiche Geschichte ihrer Gemeinde zurückblicken.

Eingebettet zwischen dem Böllen- und Hirschberg führen die Einwohner heute ein beschauliches Leben – ohne Einkaufszentrum, Ärzte, Industrie oder große Unterhaltungsmöglichkeiten. Gesellschaftliche Anlaufpunkte sind die alte Gaststätte „Zum Goldenen Adler“ – in der sich Vereine und Verbände treffen –, und das Dorfgemeinschaftshaus.

Geschichtliche Spuren findet man in Richtung Hirschberg. Vom „Honighof“, der nie etwas mit Bienen oder Honig zu tun hatte, hat man einen wunderschönen Blick über das kleine Dorf und man kann erahnen, wie es hier vor hunderten von Jahren ausgesehen hat. Um den Hof, der heute für Feiern angemietet werden kann, ranken sich viele Sagen und wer Glück hat, kann dort am Nikolaustag oder am 1. Mai Frau Holle begegnen, die dann aus ihrem Berg kommen soll.

Fährt man noch ein Stück weiter, gelangt man an die Hütte des Skiclub Helsa. Von dort geht es im Winter circa 500 Meter den Hang hinunter – bei Dunkelheit sogar mit Flutlicht. Auch gespurte Langlaufloipen werden angelegt. Bis 1960 allerdings fand man an gleicher Stelle die „Wickenröder Badeanstalt“. In einem Naturteich, der aus Quellen vom Hirschberg gespeist wurde, war hier jede Menge los. Der Teich ist heute zugewachsen, Schilfrohre zeigen die alte Stelle und aus dem kleinen Kiosk ist die Skihütte, mit Platz für ungefähr 50 Personen, entstanden. Ein schöner Ort zum Feiern, egal zu welcher Jahreszeit.

Eine lange Tradition hatte die Glasmacherei in Wickenrode, die bis in das 15. Jahrhundert zurückgeht – für die Kunst war der Ortsteil in den damaligen Fürstentümern weit bekannt. Zur selben Zeit wurde im Hirschberg vergeblich nach Silber geschürft, gut lief es bei der Gewinnung von Alaun (kristallisiertes wasserhaltiges schwefelsaures Doppelsalz von Kalium und Aluminium). Der Rohstoff spielte eine große Rolle bei der Dorfentwicklung: 1840 war das Alaunwerk mit fast 400 Beschäftigen eines der größten in Deutschland. Der Rohstoff wurde bis nach Bremen mit Pferdegespannen transportiert. Übrig geblieben ist davon nur ein Verwaltungsgebäude, das heute „Schlösschen“ genannt wird.

Ludwig-Mond, nachdem im Kasseler Auefeld eine Straße benannt ist, hat hier um 1860 viele Erfindungen gemacht und Patente angemeldet. Auch die Braunkohlegewinnung spielte eine große Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung. Zum Abtransport der gewonnen Kohle aus dem Hirschberg wurde extra eine Seilbahn zum Bahnhof nach Großalmerode gebaut. Die Alaunfabrik war Hauptabnehmer, aber ab 1820 durfte auch die Bevölkerung damit heizen. Viel von den geschichtsträchtigen Stätten ist heute nicht mehr zu finden, aber es gibt ja noch den Geschichtsverein Helsa. Die Chronik von Wickenrode, mit vielen amüsanten Details, stellt der Verein anlässlich der Feierlichkeiten am 3. August, 19 Uhr, im Gasthaus „Zum Goldenen Adler“ in Wickenrode vor.

Hintergrund: Zeitreise durch Wickenrode

Erste Erwähnungen des Ortes gehen auf das Jahr 1293 zurück. Lehensrechte (Nutzungsrechte an Gütern) wurden an das Kloster Kaufungen zurückgegeben. Diese Verbindung zu dem Kloster zog sich durch das gesamte Mittelalter. 1530 mussten Steuern in Form von Hühnern entrichtet werden und das Kloster war für die Gerichtsbarkeit zuständig. 1541 wurde der erste Bürgermeister ernannt und die Glasindustrie florierte. Auch die erste Erwähnung einer Kirche fällt in diese Zeit (1569). Das Schulwesen hat seine Ursprünge im Jahr 1661 und 25 Jahre später begann bereits der Alaunabbau.

1701 scheiterten die ersten Versuche der Silbergewinnung, die auch später ohne Erfolg blieben. Braunkohlegewinnung um 1750 verhalf dem Ort zu weiterem Aufschwung und einem Bevölkerungszuwachs. Den ersten Gemeinderat wählten die Wickenröder 1839 und ein Jahr später wurde eine neue Schule eingeweiht. Auch Vereine spielten immer eine große Rolle. So wurde bereits 1842 ein Gesangverein gegründet. Ihm folgten der Schützenverein (1907), der Mandolinenverein (1923) und der Fußballverein im Jahr 1927. Im Zuge der Gebietsreform schlossen sich die Gemeinden Wickenrode, Eschenstruth, St. Ottilien und Helsa 1972 zusammen.

HNA Online

Der Ortsteil Wickenrode wird heute 725 Jahre alt
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